Deutsche Bahn und EVG: Harte Tarifverhandlungen starten

28.01.2025

Forderungen und Fronten

Am 28. Januar 2025 sind die Tarifverhandlungen zwischen der Deutschen Bahn AG (DB) und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) in Frankfurt am Main gestartet. Die Verhandlungen stehen unter hohem Druck: Die aktuellen Tarifverträge laufen Ende März aus, und die Erwartungen der Mitarbeitenden sind groß. Die EVG fordert spürbare Verbesserungen bei Gehältern, Arbeitsbedingungen und Nachwuchsförderung, während die DB vor allem Planungssicherheit und wirtschaftliche Stabilität im Blick hat.

 

Forderungen der EVG: Mehr Gehalt, Zusatzgeld und bessere Bedingungen

Die EVG geht mit ambitionierten Forderungen in die Tarifrunde. Zentral ist die Gehaltssteigerung von 7,6 Prozent inklusive eines sogenannten EVG-Zusatzgelds (EVG-ZUG), das Beschäftigte in Schichtarbeit mit weiteren 2,6 Prozent entlasten soll. Besonders bemerkenswert: Das Zusatzgeld soll wahlweise auch in bis zu drei zusätzliche freie Tage umgewandelt werden können. Für die Gewerkschaft ist dies ein „neuer tarifpolitischer Akzent“, wie Co-Verhandlungsführerin Cosima Ingenschay betont.

Zusätzlich fordert die EVG eine Bonuszahlung von 500 Euro, die ausschließlich an Gewerkschaftsmitglieder ausgezahlt werden soll – ein kontroverser Punkt, der sowohl rechtlich als auch politisch Beachtung finden dürfte. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Beseitigung von Entgeltungleichgewichten zwischen verschiedenen Berufsgruppen bei der Deutschen Bahn, ein Problem, das laut EVG in früheren Tarifrunden nur teilweise gelöst wurde.

 

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Auch die Nachwuchskräfte stehen auf der Agenda. Die EVG fordert eine Erhöhung der Ausbildungs- und Studienvergütung um 150 Euro sowie eine Erhöhung des Mietkostenzuschusses auf bis zu 450 Euro monatlich. Die Forderungen zielen darauf ab, die Attraktivität der Bahn als Arbeitgeber für junge Talente zu steigern.

 

Erste Angebote der Deutschen Bahn: Fortschritte, aber noch keine Einigung

Bereits in der ersten Verhandlungsrunde legte die Deutsche Bahn ein Angebot vor. DB-Personalvorstand Martin Seiler betonte die schwierige wirtschaftliche Lage des Unternehmens und den Willen, einen „vernünftigen Kompromiss“ zu finden. Das Angebot sieht eine Gehaltserhöhung von 4 Prozent bei einer Laufzeit von 37 Monaten vor und umfasst auch eine Variante des EVG-Zusatzgelds.
Für die EVG ist dieses Angebot jedoch unzureichend. Insbesondere die Laufzeit des Vertrags und der Umfang des Zusatzgelds wurden von Cosima Ingenschay scharf kritisiert: „Der Arbeitgeber bietet deutlich zu wenig, und das Zusatzgeld soll zu spät und für zu wenige Beschäftigte kommen.“ Auch der Vorschlag eines Sonderkündigungsrechts für die DB im Fall von Problemen bei der Tochtergesellschaft DB Cargo stieß auf entschiedenen Widerstand. Dennoch lobte die EVG, dass das Angebot auch für die Beschäftigten bei DB Cargo gelten soll, die in einer besonders schwierigen Situation stecken.

 

Demo am 3. Februar 

Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, ruft die EVG am 3. Februar 2025 zu einer großen Demonstration in Berlin auf. Neben der Zukunft der Deutschen Bahn steht auch die Tarifrunde im Mittelpunkt der Proteste. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 4. Februar 2025 in Berlin angesetzt. Laut EVG-Co-Verhandlungsführerin Ingenschay muss sich der Arbeitgeber bis dahin „spürbar auf uns zubewegen“, um einen Arbeitskampf nach Ablauf der Friedenspflicht am 31. März zu verhindern.

 

Ein herausfordernder Weg

Die Verhandlungen finden in einer Zeit statt, in der die wirtschaftliche Lage der Deutschen Bahn angespannt ist und politische Forderungen nach einer Zerschlagung des Konzerns lauter werden. Für die EVG steht jedoch fest: Die Beschäftigten dürfen nicht zum Spielball von Politik und Wirtschaft werden. Mit klaren Forderungen und einer deutlichen Kampfansage bereitet sich die Gewerkschaft darauf vor, notfalls den Druck weiter zu erhöhen. Ob es den Verhandlungsparteien gelingt, innerhalb weniger Wochen einen tragfähigen Kompromiss zu finden, bleibt abzuwarten.

 

Quelle/Archivfoto: EVG

 


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